Brasiliens Auftritt auf der ITB Berlin stärkt Strategie zur Gewinnung deutscher Reisender

Drei Tage lang war Berlin Gastgeber der ITB Berlin, einer der größten und einflussreichsten Tourismusmessen der Welt. Jedes Jahr bringt die Veranstaltung Destinationen, Unternehmen und Entscheidungsträger aus der Reisebranche zusammen, um Trends zu diskutieren und neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen.
In diesem Jahr präsentierte Brasilien eine klare Strategie: die Beziehungen zum deutschen Markt zu stärken und mehr europäische Touristinnen und Touristen für das Land zu gewinnen.
Nach Angaben der Embratur ist Deutschland inzwischen der drittgrößte europäische Quellmarkt für den Brasilien-Tourismus, hinter Frankreich und Portugal. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung des deutschen Marktes für den internationalen Tourismus nach Brasilien.
Das Portal Mais Berlim berichtete direkt vom brasilianischen Pavillon auf der Messe und sprach mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche, Destinationen und internationalen Besucherinnen und Besuchern.
Entwicklung des deutschen Tourismus nach Brasilien
Um die Bedeutung des deutschen Marktes zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen in den letzten Jahren.
Deutsche Touristen in Brasilien (2019–2024)
2019 — 221.000
2020 — 68.000
2021 — 51.000
2022 — 120.000
2023 — 158.000
2024 — 177.000
Quelle: Embratur / Brasilianische Bundespolizei
Die Zahlen zeigen deutlich die Auswirkungen der Pandemie auf den internationalen Tourismus sowie die anschließende Erholung der Besucherzahlen. Im Jahr 2024 reisten rund 177.000 deutsche Touristinnen und Touristen nach Brasilien und festigten damit Deutschlands Position als einen der wichtigsten europäischen Märkte für das Land.
Europäische Herkunftsmärkte für Brasilien-Tourismus
Wichtigste europäische Quellmärkte (2024)
Portugal — 218.000
Frankreich — 208.000
Deutschland — 177.000
Vereinigtes Königreich — 152.000
Italien — 129.000
Spanien — 118.000
Quelle: Embratur / Brasilianische Bundespolizei
Portugal und Frankreich führen weiterhin die Liste der europäischen Herkunftsmärkte an. Deutschland belegt inzwischen den dritten Platz und gilt als strategisch wichtiger Markt für den brasilianischen Tourismus.
Strategie zur Gewinnung deutscher Reisender

Eine der wichtigsten Stimmen Brasiliens auf der Messe war Lilás Nascimento, Vertreterin der Embratur für den europäischen Markt.
Ihr zufolge basiert die aktuelle Strategie auf drei zentralen Säulen: Nachhaltigkeit, datenbasierte Marktanalysen und der Ausbau internationaler Flugverbindungen.
„Wir haben eine neue Marketingkampagne für den europäischen Markt gestartet, die sich auf nachhaltigen und regenerativen Tourismus konzentriert – ein Thema, das für deutsche Reisende besonders wichtig ist.“
Alle Maßnahmen der aktuellen Embratur-Strategie orientieren sich stark an Marktanalysen und Daten.
„Unsere Arbeit ist stark datengetrieben. Wir verfügen über ein Team für Marktanalysen, das uns dabei hilft zu verstehen, welche Strategien wir gemeinsam mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften entwickeln sollten.“
Partnerschaft mit Azul startet Brazil Air Pass

Eine der auf der Messe vorgestellten Initiativen ist der Brazil Air Pass, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft Azul Brazilian Airlines.
Das Programm ermöglicht internationalen Reisenden, die bereits einen Flug nach Brasilien gebucht haben, bis zu fünf zusätzliche Inlandsflüge zu reduzierten Preisen zu erwerben, um mehrere Destinationen innerhalb des Landes zu entdecken.
„Mit diesem Programm können Besucher mehr Reiseziele in Brasilien kennenlernen und gleichzeitig Geld sparen“, erklärte Nascimento.
Quelle: Embratur.
Amazonasregion im Fokus des europäischen Marktes
Eine weitere Initiative ist die Partnerschaft mit dem Import Promotion Desk, einem vom deutschen Staat unterstützten Programm zur Förderung nachhaltiger Wirtschaftsbeziehungen.
Im Rahmen des Projekts wurden fünf Tourismusunternehmen aus der brasilianischen Amazonasregion ausgewählt, die Unterstützung bei der internationalen Vermarktung ihrer Angebote erhalten.
Das Ziel ist es, nachhaltige Tourismusangebote aus der Region stärker auf dem europäischen Markt zu positionieren.
Plattform präsentiert authentische Reiseerlebnisse
Während der Messe stellte Brasilien außerdem die Plattform Feel Brasil vor, die 101 nachhaltige und authentische Reiseerlebnisse im ganzen Land präsentiert.
Die Plattform verbindet internationale Reiseveranstalter mit Angeboten aus den Bereichen:
- Naturtourismus
- Kultur
- Community-basierter Tourismus
- nachhaltige Reiseerlebnisse
Quelle: Embratur / Feel Brasil.
Schulungsprogramm für europäische Reiseagenturen
Ein weiteres wichtiges Instrument ist das Programm Brazil Travel Specialist, eine Online-Plattform zur Schulung internationaler Reiseberaterinnen und Reiseberater.
Das Programm vermittelt Wissen über brasilianische Destinationen und soll Reiseveranstaltern helfen, Brasilien stärker in ihre Angebote aufzunehmen.
Quelle: Embratur.
Flugverbindungen zwischen Deutschland und Brasilien

Direkte Flugverbindungen spielen eine entscheidende Rolle für das Wachstum des Tourismus zwischen beiden Ländern.
Direktflüge Deutschland – Brasilien
Frankfurt – São Paulo (Lufthansa / LATAM)
Frankfurt – Rio de Janeiro (Lufthansa)
München – São Paulo (Lufthansa)
Frankfurt – Recife (Condor)
Quelle: Fluggesellschaften / Branchenangaben
Der Frankfurt Airport gilt als wichtigstes europäisches Drehkreuz für Flüge nach Brasilien, während der São Paulo–Guarulhos International Airport die wichtigste internationale Einreisestation des Landes ist.
Beliebte Reiseziele für deutsche Touristen
Zu den beliebtesten brasilianischen Destinationen für deutsche Reisende zählen:
- Rio de Janeiro
- Foz do Iguaçu
- São Paulo
- Amazonasregion
- Salvador
- Pantanal und Bonito
Quelle: Embratur / internationale Tourismusbranche.
Natur- und Ökotourismus spielen dabei eine besonders wichtige Rolle für deutsche Reisende.
Internationale Stimmen über Brasilien

Ein Besucher aus der Region Dresden sagte im Gespräch mit Mais Berlim:
„Wenn ich an Brasilien denke, stelle ich mir ein riesiges Land mit sehr unterschiedlichen Landschaften und Kulturen vor. Natürlich hört man auch von Herausforderungen, aber gleichzeitig weiß man, dass es ein sehr schönes Land ist.“
Er erklärte, dass er bisher noch nicht dort gewesen sei, aber eine Reise plane.
„Ich war noch nie in Brasilien, aber es steht definitiv auf meiner Liste der Länder, die ich eines Tages besuchen möchte.“
Ein Besucher aus den Niederlanden sagte:
„Wenn ich an Brasilien denke, denke ich zuerst an den Amazonas.“
Er erklärte, dass eine Reise nach Brasilien gut geplant werden müsse.
„Brasilien ist ein riesiges Land, fast wie ein eigener Kontinent. Um es wirklich kennenzulernen, braucht man Zeit.“
Dennoch plane er eine Reise.
„Ich würde gerne den Amazonas besuchen, aber auch Städte wie Rio de Janeiro, Brasília oder São Paulo.“
Ein Besucher aus Kap Verde betonte die kulturellen Verbindungen zwischen beiden Ländern.
„Wenn ich an Brasilien denke, denke ich an ein wunderschönes Land mit einer sehr starken Kultur, die unserer in Kap Verde in vielerlei Hinsicht ähnlich ist.“
Er berichtete, dass er bereits im Land gewesen sei.
„Ich war schon einmal in Brasilien, allerdings beruflich. Jetzt plane ich eine Reise, um das Land besser kennenzulernen.“
Besonders beeindruckt habe ihn die Gastfreundschaft.
„Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Art, wie Menschen Besucher empfangen. Diese Gastfreundschaft erinnert sehr an Kap Verde.“
Brasilianische Bundesstaaten präsentieren ihre Reiseziele auf der ITB Berlin
Neben der nationalen Strategie von Embratur nutzten auch mehrere brasilianische Bundesstaaten die ITB Berlin, um ihre Reiseziele direkt dem europäischen Markt vorzustellen.
Vertreter aus verschiedenen Regionen des Landes präsentierten Angebote aus den Bereichen Naturtourismus, Kultur, Abenteuer und Städtereisen und knüpften Kontakte zu internationalen Reiseveranstaltern und Tourismusunternehmen.
Im Folgenden zwei Beispiele von Bundesstaaten, die mit Mais Berlim gesprochen haben.
Paraná setzt auf Natur, Kultur und die Iguazú-Wasserfälle

Der Bundesstaat Paraná war auf der Messe mit Vertretern der Tourismusorganisation Viaje Paraná vertreten, die für die internationale Vermarktung des Bundesstaates verantwortlich ist.
Daltron, Berater der Präsidentschaft von Viaje Paraná, betonte das touristische Potenzial der Region.
„Wir sind hier, um der Welt zu zeigen, was Paraná zu bieten hat. Unser Bundesstaat verfügt über sehr unterschiedliche Reiseziele, darunter Curitiba, Foz do Iguaçu und viele Regionen mit Natur- und Kulturerlebnissen, die bereit sind, internationale Besucher zu empfangen.“
Er hob die Bedeutung internationaler Messen hervor.
„Veranstaltungen wie die ITB Berlin sind sehr wichtig, um unsere Reiseziele mit internationalen Reiseveranstaltern, Agenturen und Reisenden zu verbinden.“
Marcelo, Operationsdirektor von Viaje Paraná und selbst aus Foz do Iguaçu, betonte das Potenzial des Bundesstaates im Natur- und Abenteuertourismus.
„Paraná hat ein enormes Potenzial im Ökotourismus und im Abenteuertourismus. Wir arbeiten daran, unsere Präsenz auf internationalen Märkten zu stärken und immer mehr Besucher anzuziehen.“

Daltron Neto e Marcelo Martini (Viaje Paraná). Foto: Embratur
Ebenfalls am Stand vertreten war Célia, Tourismusministerin des Bundesstaates Paraná. Sie hob die Bedeutung von Foz do Iguaçu als eines der bekanntesten Reiseziele Brasiliens hervor.
„Deutsche Touristen gehören zu den wichtigsten europäischen Märkten für Foz do Iguaçu. Jedes Jahr empfangen wir Besucher aus etwa 190 Ländern.“
Die Iguazú-Wasserfälle seien für viele Reisende ein Traumziel.
„Wer einmal ein Foto der Wasserfälle gesehen hat, möchte sie auch persönlich erleben. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen reagieren, wenn sie zum ersten Mal dort ankommen.“
„Die Iguazú-Wasserfälle haben eine besondere Energie. Es ist ein Ort, der Menschen wirklich bewegt.“
Mato Grosso do Sul präsentiert Pantanal und Bonito als Naturdestinationen

Auch der Bundesstaat Mato Grosso do Sul nutzte die Messe, um seine wichtigsten Naturdestinationen vorzustellen: das Pantanal und die Region Bonito.
Breno, Vertreter des regionalen Tourismus, erklärte:
„Mato Grosso do Sul ist kein Massentourismusziel, sondern ein Reiseziel für intensive Naturerlebnisse – besonders für Reisende, die direkten Kontakt zur Natur suchen.“
Das Pantanal wecke besonderes Interesse bei internationalen Besuchern.
„Das Pantanal zieht viele internationale Besucher an, vor allem wegen der Möglichkeiten zur Tierbeobachtung, die oft mit einer Safari in Afrika verglichen werden.“
Ein Vorteil der Region sei die Kombination zweier Reiseziele.
„Mit nur einem Flug können Reisende zwei der wichtigsten Naturdestinationen Brasiliens besuchen: Bonito und das Pantanal. Beide liegen nur etwa zweieinhalb Stunden voneinander entfernt.“
Bonito sei besonders für seine klaren Gewässer bekannt.
„Bonito gilt als Paradies für kristallklare Flüsse und bietet mehr als fünfzig Naturattraktionen rund um Wasseraktivitäten.“

Das Pantanal hingegen sei eines der besten Gebiete der Welt für Tierbeobachtungen.
„Im Pantanal können Besucher Wildtiere auf traditionellen Farmen oder bei Flussfahrten erleben.“
Viele Besucher würden die Reise als prägend erleben.
„Viele Reisende sagen später, dass diese Erfahrung ihre Sicht auf Natur und Umwelt verändert hat.“
Rekordzahlen im internationalen Tourismus
Brasilien erlebt derzeit einen deutlichen Aufschwung im internationalen Tourismus.
Nach Angaben der Embratur besuchten 9,28 Millionen internationale Gäste Brasilien im Jahr 2025, ein historischer Höchstwert.
Eine Brücke zwischen Brasilien und Deutschland
Für Mais Berlim zeigt die Teilnahme an der ITB Berlin auch die wachsende Rolle der brasilianischen Community in Deutschland als Brücke zwischen beiden Ländern.
Der Tourismus entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Instrument für den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Brasilien und Deutschland.
Und die Botschaft der Embratur auf der Messe war eindeutig:
„Wir müssen mehr Deutsche nach Brasilien bringen.“
Originaltext produziert von Mais Berlim
Augusto Medeiros — Chefredakteur
Quellen: Embratur, Import Promotion Desk, Feel Brasil, ITB Berlin, Brasilianische Bundespolizei, Fluggesellschaften und Branchenanalysen.
Augusto Medeiros ist ein brasilianischer Journalist mit Sitz in Berlin, Chefredakteur und Gründer des Portals Mais Berlim. Er berichtet über Kultur, Gesellschaft, Vielfalt, Unternehmertum und den Alltag in Deutschland, mit besonderem Fokus auf die Erfahrungen von Brasilianer*innen und internationalen Communities. Seine Arbeit umfasst Reportagen, Interviews und mehrsprachige Inhalte mit journalistischem Kontext.

